Auf die Nachbarschaft kommt es an. Stimmt das auch?

Egal ob in Gartenzeitschriften, Foren, Büchern oder sonstigen Medien, man liest immer wieder von Nachbarschaften im Gemüsebeet. Darf man die Möhre neben dem Dill oder Kürbis anbauen? Oder hält die Zwiebel die Möhrenfliege von meinen Möhren fern, da der Duft der Zwiebel die Fliege irritiert?
Viele Gärtner sind der Meinung, dass man nicht jedes Gemüse nebeneinander oder in Mischkulturen anbauen darf und andere Kulturen sich gegenseitig sogar positiv beeinflussen. Aber stimmt das auch?

 

Allelopathie

Tatsächlich können sich Pflanzen gegenseitig beeinflussen. Diese biochemische Wechselwirkung zwischen Pflanzen oder auch Schaderregern nennt man Allelopathie, die damals von Hans Molsch, kurz vor seinem Tod, im Jahre 1937, definiert wurde. Doch auch vor dieser Definition waren Wechselwirkungen zwischen Pflanzen bekannt und wurden oft als Aberglaube abgestempelt.

Auch heute noch befasst man sich mit der Allelopathie und verwendet diese vor allem in der Phytomedizin. Oft werden dafür aber hohe biochemische Konzentrationen angewendet, um Effekte nachzuweisen. In der Natur treten diese Effekte auch auf, aber oft in so geringen Ausmaßen, dass man eher von einer Tendenz und nicht von einem signifikanten Ergebnis sprechen kann.

 

Die Beeinflussung im Gemüsebeet

Grundsätzlich muss man beim Anbau von Gemüse im Garten nicht auf schlechte und gute Nachbarn achten, da es diese nicht gibt bzw. diese in den meisten Fällen nicht nachweißbar sind. Oft wurden diese Aussagen ohne jegliche wissenschaftliche Grundlage über den Gartenzaun verbreitet, was man heutzutage nun über Facebook und Co. macht.

Das der Geruch der Zwiebeln die Möhrenfliege abhält und ebenso der Möhrengeruch die Zwiebelfliege, ist ein weit verbreitetes Ammenmärchen und sollte nach einer kleineren Überlegung jedem schnell klar sein.  Dennoch macht es Sinn, nicht jedes Gemüse eng beieinander anzubauen, da es eine Menge Schädlinge und Schaderreger gibt, die die benachbarte Kultur schnell anfallen können. Darüber hinaus würde auch die nächste Kultur ggf. von im Boden lebenden Pilzen und anderen Schädlingen schneller befallen werden, weshalb man dringend auf die Fruchtfolge achten sollte.

 

Der Kohl wird sehr oft von der Kohlhernie, einem im Boden lebenden Pilz, der die Wasser- und Nährstoffversorgung im Wurzelbereich hemmt, befallen. Deshalb sollte man den Kohl bzw. die gesamte Familie der Kreuzblütler nicht jedes Jahr auf die gleiche Fläche anbauen, um einen Befall zu verhindern.


Aber auch die Nährstoffversorgung ist bei dem Thema Nachbarschaften sehr wichtig, denn jede Kultur hat unterschiedliche Bedürfnisse. So verträgt ein Blumenkohl deutlich mehr Stickstoff als ein Spinat. Sollte der Spinat genauso stark gedüngt worden sein, wie der Blumenkohl in direkter Nähe, so kann man davon ausgehen, dass die Nitrat- und Oxalwerte des Spinats so hoch ansteigen, dass dieser nicht mehr verzehrt werden sollte. Vor allem ältere Menschen und Kinder sollten auf den Verzehr von zu stark gedüngten Blattgemüse verzichten, da die hohen Oxalwerte die Nieren stark schädigen können.

 

Reihenanbau

Deshalb ist in Hinblick auf den Ertrag, die Pflanzengesundheit und die Ernährung, die Empfehlung, sein Gemüse immer in Reihen anzubauen, um den Düngeeinsatz besser zu kalkulieren und die Fruchtfolge einhalten zu können. Sollten diese Punkte eine untergeordnete Rolle im eigenen Garten spielen, kann man auch weiterhin seine Kulturen kreuz und quer anbauen. Hierbei sollte man sich aber nicht wundern, wenn das ein oder andere Gemüse doch nicht so gut wächst, wie erhofft.